Samstag, 24. September 2011

[Rezension] Die Antwort des Windes


 

Titel: Die Antwort des Windes
Originaltitel: Jubilee
Autor: Eliza Graham

Sprache: auf Deutsch gelesen
Genre: Familiengeschichte
Seiten: 348

Webseite: Autorenseite

Bewertung: 3 Herzen







Inhalt:

Vor 25 Jahren ist Jess, die Cousine von Rachel, einfach so verschwunden. Es war das silberne Thronjubiläum von der Queen und des kleine englische Dorf hat eine große Feier veranstaltet. Rachel und ihre Tante Evie hatten Jess nur für eine Minute aus den Augen gelassen und sie ist nicht wieder aufgetaucht.
Gerade ist das goldene Thronjubiläum um, da stirbt überraschend Evie. Rachel fährt zurück in das englische Dorf und sich um den Nachlass zu kümmern. Dabei deckt sich ein lang verschwiegenes Familiengeheimnis auf...


Meine Meinung:

Normalerweise bin ich Fan von solchen Geschichten. Sie ist erzählt von verschiedenen Personen (hauptsächlich Evie und Rachel) und spielt in drei verschiedenen Zeitebenen: Zur Zeit der Krönung der Queen, das silberne Thronjubiläum (25 Jahre später) und letztlich das goldene Thronjubiläum (noch einmal 25 Jahre später). Allerdings gefällt mir hier die Ausführung der Grundidee, die sicherlich gut ist, überhaupt nicht.

Grundidee ist klar: Mädchen verschwindet. Niemand weiß wohin sie ist. Evie, die Mutter der verlorenen Jess, hat eine schwere Zeit. Aber nicht erst seit Evie weg ist, sie ist ohne ihre Eltern aufgewachsen und hat in eine gut situierte Familie eingeheiratet, in der sie nie wirklich willkommen war. Rachel, ihre Nichte und Cousine von Jess, hat es auch nicht leicht: Seit Jahren versucht sie ein Kind zu bekommen mit ihrem Mann, doch nichts hilft. Sie ist innerlich zerrüttet. Durch den Tod von Evie kehrt Rachel an den Ort zurück, wo sie früher nur ihre Ferien verbracht und keine guten Erinnerungen hat. Von Kapitel zu Kapitel erfährt man mehr über die Hintergründe.

Jedoch: Das als "unglaublich" angekündigte Familiengeheimnis lässt mich nur müde gähnen. Seitenlang habe ich mich gelangweilt, weil es sehr stark nach Schema F abläuft. Die arme junge Evie, die einen Retter findet, der sich dann doch nicht als Held herausstellt. Sie bekommt ein einziges Kind, Jess. In früher Jugend verschwindet das Kind. Und das Ende, das ich an dieser Stelle nicht verrate, passt genauso in der Schema. Wobei ich sagen muss, dass das noch die interessanteste Frage war.

Was ist mit Jess geschehen? Man wird es erst am Ende des Buches erfahren. Man muss laaaange durchhalten, bis das Thema angeschnitten wird. Ich bin sehr skeptisch, ob es wirklich notwendig war, die doch recht unspektakuläre Vorgeschichte aufzutischen, bevor das Geheimnis lüftet. Sicherlich ist der Grund des Verschwindens relativ überraschend. Andererseits hatte ich seit der Mitte des Buches genau diesen Verdacht gehabt.

Die Personen erschienen mir alle nicht authentisch und ich habe nicht wirklich eine Verbindung aufbauen können. Rachel, die Cousine von Jess, ist wie ein Schatten. Sie ist eine Erzählstimme, die für mich nie wirklich auf dem Bildschirm aufgetaucht ist und immer ein wenig im Hintergrund bleibt. Ihre Probleme werden am Rande erzählt und sie ist nur ein Mittel zum Zweck. Aber hauptsächlich steht Evies Geschichte im Vordergrund. Und zu ihre konnte ich auch keine Verbindung aufbauen. Obwohl es tragisch ist, dass ihre Tochter verschwunden ist, habe ich nie Mitleid mit ihr gehabt... auch ihre Liebe zu dem gewissen Mann konnte ich ihr nicht abnehmen.

Um die guten Punkte zu nennen: Das englische Landleben wird schön beschrieben, mir gefiel an sich der Erzähl- und Schreibstil der Autorin gut. Man kann sich gut gehen lassen in den Buch, wobei man wirklich Durchhaltevermögen braucht. Wer einen stressigen Alltag hat, wird hier Entspannung finden und wird sich nicht sonderlich aufregen müssen.

Die Spannungskurve dieses Buches ist so gut wie nicht existent. Zum Ende hin holt es auf, als sich die Ereignis so überschlagen, dass man mit dem Lesen kaum hinterher kommt. Mit einem Schlag werden so viele Antworten geklärt, dass man eigentlich ersteinmal das Gelesene verdauen muss, doch da ist das Buch schon zu Ende. Schade! Mehr hätte es mich gefreut, wenn die Geheimnisse mehr in Richtung Mitte aufgedeckt worden wären und mehr beschrieben würde, wie die Figuren damit umgehen. Auch dass Evie zur "aktuellen Zeit" tot ist, finde ich sehr schade.

Über die Wahl des Titels wundere ich mich. Der Originaltitel "Jubilee" trifft es doch sehr gut, warum wurde es in der deutsche Übersetzung zu "Die Antwort des Windes"? Der Wind gibt hier zu keiner Zeit eine Antwort, dafür spielt der Großteil des Buches allerdings zu den Thronjubiläen.
Das Cover hingegen gefällt mir sehr gut! Auch wenn es nicht unbedingt zum Inhalt passt... Es war der Grund, warum ich überhaupt auf das Buch aufmerksam geworden bin.


Fazit:

Gute Grundidee, nur leider wird fast der gesamte Inhalt im Klappentext verraten und es gibt nur wenige überraschende Momente. Eine Spannung baut sich sehr spät auf und wird nur kurz gehalten. Wer große Geschichten mag, sollte sich an Susanna Kearsley, Kate Morton und Co. halten.


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